Die „Geschichte“
der Freiwillige Feuerwehr Drachselsried
aus der Festschrift zum 125-jährigen Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe
- 06.06.1999 -
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Drachselsried ist geprägt von drei Kommandanten, die, ohne die Leistungen der anderen Kommandanten zu schmälern, dem Vereinsleben ihren Stempel aufgedrückt haben: Josef Graßl in den Jahren von 1903 bis 1938, Johann Muhr von 1951 bis 1976 und Max Zelzer von 1976 bis 2001. Da in der Ära eines jeden von ihnen weitreichende Entscheidungen getroffen wurden und bedeutsame Änderungen das Vereinsleben beeinflussten, werden diese drei Persönlichkeiten auch im Mittelpunkt unserer kurzen Vereinsgeschichte stehen.
125 Jahre sind ein stolzes Alter – auch für Feuerwehren, die meist ein wenig älter sind als andere Vereine. Und wenn man auf diese 125 Jahre Vereinsgeschichte zurückblickt, ist es fast so, wie in einem menschlichen Leben, das zwar kürzer währt, aber auch, zu ebensolchen Jubiläen, zu einem Rückblick einlädt, der viele Details wieder aufleben lässt, aber auch etliche Lücken in der Erinnerung aufweist. Mit Chronikbüchern verhält es sich ähnlich.
Aufzeichnungen aus den ersten 44 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr Drachselsried fehlen ganz. Das, was uns erhalten geblieben ist aus dieser Zeit, stammt aus dem Jahr 1922, als der damalige Kommandant Josef Graßl mit Hilfe von Gründungsmitgliedern die „Gründungsgeschichte“ verfasste und ein Chronikbuch anlegte.
Die ersten Jahrzehnte und die Ära Graßl
Das „Verzeichnis der vorhandenen Geräte und Ausrüstungen“ gibt uns einige Aufschlüsse über die Anfangsjahre. Wird in der Gründungsgeschichte der Erwerb der ersten Löschmaschine im Jahre 1876 naturgemäß als wichtigstes Requisit des neuen Vereines betont, so erfahren wir aus diesem Verzeichnis, das neben 170 m Schläuchen auch 30 Gurte und Helme angeschafft wurden, was auf die Stärke dieser ersten Feuerwehr der Gemeinde schließen lässt. Um die Finanzen des Vereins war es allerdings noch nicht sehr gut bestellt: Die Blusen musste die Mannschaft selber kaufen.
Im Jahre 1897 – zwölf Jahre waren schon vergangen – kam man auf Anregung des damaligen Vorstands Stummer zur Überzeugung, dass ein Verein wie die Feuerwehr auch eine Fahne haben müsse. Da die Mittel immer noch knapp waren, legten die Vereinsmitglieder zusammen und brachten die stolze Summe von 220 Mark auf, die die neue Fahne kostete. Die Weihe fand dann am 11. Juli 1897 statt. Im gleichen Jahr musste auch die Gemeinde in den Säckel greifen: Das Feuerwehrhaus musste bereits renoviert werden und auch die Steinplattenbedachung wurde dabei durch Falzziegel ersetzt.
1903 wurde Josef Graßl zum 7. Kommandanten seit Gründung der Feuerwehr gewählt und er sollte dieses Ehrenamt 35 Jahre behalten.
In den Jahren von 1907 bis 1910 wurde auf seine Veranlassung die Feuerwehr vollständig vorschriftsmäßig neuuniformiert. Die anfallenden Kosten in Höhe von 1100 Mark ließen die Mitglieder erfinderisch werden: Die Christbaumversteigerung – heute schon eine Selbstverständlichkeit – wurde ins Leben gerufen und, weil sich anscheinend auch schauspielerische Talente anboten, wurde Theater gespielt. Trotzdem musste die zweite Löschmaschine, von deren Notwendigkeit Vorstand Josef Graßl den Bürgermeister Alois Graßl zu überzeugen wusste, von der Gemeinde bezahlt werden, da die 1450 Mark vom Verein nicht aufzubringen waren.
Der Kommandant war auch eine treibende Kraft für den Bau einer Hochdruckwasserleitung im Frühjahr 1914. Dabei wurden die beiden Quellen der sogenannten „Faßlbontbrunnen“ im Wald des Josef Graßl in Mannesmannrohren zur Reserve auf der Drachselsrieder Ebene geleitet. Die 9000 Mark wurden von den Ortsbewohnern je nach Wasserverbrauch bezahlt. Da der Bau der Anlage in den beginnenden Weltkrieg fiel und Bürgermeister und Kommandant sich dem Kriegsdienst stellten, musste die Anlage von Franz Stummer und Baptist Falter fertiggestellt werden. Drei Hydranten wurden eingebaut, deren Funktion, wie es in der Chronik heißt, vorzüglich war.
Über die Kriegsjahre gibt es keine Aufzeichnungen, nur den Vermerk in der Niederschrift von den ersten Mitgliederversammlungen nach dem Weltkrieg am 26.01.1919, dass sich die Einnahmen in dieser Zeit auf 30 Mark beliefen, die Ausgaben jedoch auf 73 Mark. Tragisch war der Verlust an Menschenleben: Sieben Mitglieder der Feuerwehr waren im Krieg gefallen.
In dieser Versammlung wurde auch beschlossen, einen Mitgliederbeitrag von 1 Mark einzuführen.
In das Jahr 1922 fällt die Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr Drachselsried II“ in Oberried durch den Adjutanten Franz Xaver Hutter, zu welchen Zwecke die (renovierte) erste Löschmaschine ..... von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde“.
Das 50-jährige Jubiläum, das 1925 fällig gewesen wäre, musste wegen des Kirchenbaus um ein Jahr verschoben werden. Es fand dann in kleinem Rahmen statt, nur die umliegenden Wehren waren dazu eingeladen.
Das Jahr 1925 brachte einige Neuerungen: Alois Graßl, der Bürgermeister, von jeher schon mit der Feuerwehr eng verbunden, wurde Vorstand und ein weiterer (wichtiger!) Posten wurde neu besetzt. Requisitenmeister Josef Fritz, der die Stelle 21 Jahre innehatte wurde durch Josef Wenzl abgelöst. Die Einführung eines Feuerwehrballes wurde beschlossen und als Termin der Faschingsdienstag festgelegt, ein Datum, das zur Tradition wurde und über viele Jahre hinweg Bestand hatte. Als Eintrittspreis für Gäste wurden 50 Pfennig festgelegt, „für Damen und Herren“!
Um einen Einblick in die Kassenverhältnisse der damaligen Zeit zu bekommen, sei auch ein Blick in den Kassenbericht dieses Jahres getan: Ausgaben von 352 Mark stehen Einnahmen von 279 Mark gegenüber, so dass wie fast in jedem Jahr ein „Passivrest“ zu Buche steht. Ein Beschluss aus dieser Versammlung erscheint auch bemerkenswert: „Bei Beerdigungen ehemaliger verdienter Mitglieder, die jedoch schon mehrere Jahre keinen Beitrag mehr leisteten, sei es infolge aus Armut oder aus anderen Gründen, beteiligt sich der Verein ebenso und wird ein Amt aus der Vereinskasse gestiftet.“
1928 wird ein neues Amt in das Vereinswesen eingeführt: „Als Vertrauensleute zur Durchführung der Vorschriften über Maßnahmen bei Bränden durch Beschädigung elektrischer Anlagen wurden gewählt Otto Bruckmayer, Brauereibesitzer und Eduard Falter, Brauereibesitzerssohn“. Die Brauerei Falter wird erstmals als Versammlungsort erwähnt.
Am 10. August erhält der Kommandant Josef Graßl „in dankbarer Anerkennung der Verdienste um das bayerische Löschwesen“ das Feuerwehrehrenkreuz des Landesfeuerwehrverbandes verliehen.
1931 wurde aus Mitteln der Gemeinde Oberried ein neues Feuerwehrhaus erbaut und eine Motorspritze gekauft, die ihren ersten großen Einsatz beim „Gröllerschen Brand“ am 10. Oktober hatte. Im Sommer dieses Jahres wurde in Asbach „veranlasst durch die vielen Brandlegungen allseits“ ein Feuerlöschzug ins Leben gerufen und mit einer J.-Braun-Spritze für 1600 Mark ausgestattet, die Gründung der Feuerwehr Drachselsried III und der Bau des Feuerwehrhauses fiel in das Jahr 1932.
Das Geld scheint in dieser Zeit nicht mehr so knapp zu sein, denn den Kassierern beim Faschingsball wird erstmals eine Vergütung von 3 Mark genehmigt. Auch dem neuen Fahnenjunker Josef Kopp aus Blachendorf wird bei auswärtigen Festlichkeiten eine Vergütung von 5 Mark gewährt, dem bisherigen Fahnenjunker Baptist Hirtreiter aus Grafenried allerdings nur die volle Zufriedenheit für seine Tätigkeit ausgesprochen. Es wurde aber auch einiges getan, um Geld in die Kasse zu bekommen. „Die Theatergruppe wurde (wieder) angeregt und es meldeten sich ca. acht Herren zur Mitwirkung. Eine Darbietung ist für die Fastenzeit vorgesehen und werden die Interessenten die Angelegenheit zur Durchführung bringen.“
Die Jahre ab 1933 gehen auch an der Feuerwehr nicht spurlos vorüber. Der Name „Kommandant“ wird abgelöst durch den „Feuerwehrführer“ und nach dem neuen „Deutschen Feuerwehrgesetz“ ist die Stelle des Vorstandes aufgehoben. Versammlungen sind nun Appelle und haben mit dem deutschen Gruss zu beginnen und zu enden. Der Druck von oben ist unverkennbar. Siegfried Graßl, der Schriftführer während dieser Jahre vermerkt einen Beschluss: „Wer seinen Beitrag jährlich nicht leistet, wird ohne weiteres der Pflicht verwiesen“ und auch später „Sechs Kameraden der Wehr mussten wegen mangelnder Pflichterfüllung zur Pflichtfeuerwehr überwiesen werden“.
In der Niederschrift von 26. Januar 1936 wurde der Vollzug der Auflösung der beiden Ortsfeuerwehren Drachselsried II und Drachselsried III bekanntgegeben und das Bild des Kreisbranddirektors musste „aufgrund seiner großen Verdienste im Feuerlöschwesen im Vereinslokal zur dankbaren Erinnerung“ angebracht werden.
Dass das normale Leben einer Feuerwehr trotz aller Vorschriften und Reglementierungen weiterging zeigen die Beschlüsse dieses Jahres: Neu angeschafft wurden u.a.: „Steiggurte mit neuzeitlichen Karabinerhaken, Rauchschutzmasken und doppeltönigen Hupen“. Der Eintritt für den Feuerwehrball wird allgemein auf 50 Pfennig festgesetzt.
Ab dem Jahre 1937 sind bei den Mitgliederversammlungen auch Brandinspektor Kramheller, Brandmeister Biller, Bürgermeister Bruckmayer, Pfarrer Steinbauer und Ortsgruppenleiter Schreiner anwesend. Das Verhältnis Verein – Partei scheint aber nicht ungetrübt gewesen zu sein. Eine Notiz in der Niederschrift von 1937 besagt: „Zu den Paraden nahm die Wehr wie üblich teil mit der Ausnahme beim Erntedankfest, wo eine Einladung von der Seite der Ortsgruppenleitung nicht erfolgte.“ Auch ein Beschluss ist hier zu finden, der mit Sicherheit vielen Mitgliedern schwer fiel, wenn auch der Wortlaut sachlich und nüchtern ist: „.....nachdem die Vereinsfahne verboten und somit überflüssig ist, wir dieselbe der Kirche als Schenkung übergeben.“
Am 1. April 1938 legte Josef Graßl auf einen Wunsch, wie ausdrücklich betont, sein Amt nieder, nach 41-jähriger Feuerwehrzeit, davon 35 Jahre als Kommandant und 34 Jahre als Mitglied des Bezirksausschusses: „(Ich) scheide mit dem Bewusstsein, als Führer der Wehr meine Pflicht getan zu haben. Gebe Gott, dass ein würdiger Nachfolger die ...... Geschicke der Wehr leitet.“
Der II. Weltkrieg
Nach der Ära Josef Graßl als Kommandant der Drachselsrieder Feuerwehr bahnt sich die unheilvolle Zeit des II. Weltkrieges an. Es wird auch die weitere Entwicklung der Wehr maßgeblich beeinflussen. In dem Bauernsohn Xaver Geiger vom Veithof hat Graßl einen Nachfolger gefunden. Dieser fertigt auch die Niederschrift zum ersten Winterappell am 8. Januar 1939. Aus ihr lässt sich herauslesen, dass die Feuerwehrvorgesetzten in dieser Zeit besonders auch für die sportliche Ertüchtigung der Wehrmänner Wert gelegt haben (SA-Sportabzeichen). Dann schweigt das Protokollbuch bis zum 9. November 1948.
Aus mündlichen Überlieferungen ist bekannt, dass die Feuerwehrmänner, die den wehrfähigen Jahrgängen angehörten, mit Kriegsbeginn Zug um Zug zu den Waffen geholt wurden.
Um das Feuerlöschwesen in Drachselsried kümmerte sich dann der Grafenrieder „Wegmacher“ Josef Bauernfeind als Kommandant. Überwiegend ältere Männer nahmen in den einzelnen Ortschaften die Aufgabe der Feuerpolizei wahr und standen auch an den Straßenrändern, als die Amerikaner 1945 in die Gemeinde einrückten.
Die Fahne der Feuerwehr – es war die, die man 1926 geweiht hatte – erlitt nach der Kapitulation dasselbe Schicksal wie die des Drachselsrieder Veteranervereins. Nachdem sie den befreiten Kriegsgefangenen im Drachselsrieder Schulhaus tagelang nach ihren Saufgelagen als Zudecke gedient hatte, wurde sie auf dem Dorfplatz verbrannt. Um die immer spärlicher werdenden Gerätschaften der Feuerwehr und das baufällige Feuerwehrhaus bei der Kirche hat sich gegen Kriegsende nach seiner eigenen Aussage so gut es ging der beim Falterbräu lebende Hans Jungbeck gekümmert. Bei Kriegsende stand man trotzdem vor dem Nichts.
Die schweren Jahre nach dem Krieg
Der erste Kommandant der Nachkriegszeit, der Veitbauer Josef Geiger, wird später unter „Besondere Vorkommnisse“ im Geräteverzeichnis etwas neidvoll anmerken: „Im Sommer 1946 bekommen wir die Motorspritze von Oberried, den die haben von der früheren Wehrmacht eine Autospritze und sie wurde von ihnen als Beutegut eingebracht. Da wir das Glück nicht hatten, mussten wir mit der alten Oberrieder Motorspritze zufrieden sein.“
Ältere Grafenrieder erinnern sich, dass diese Autospritze bei Kriegsende im Grafenrieder Wirtshausstadel gestanden haben und dann in einer „Eilhandlung“ nach Oberried geholt worden sei. Da hätten die Drachselsrieder wohl geschlafen.
Den Wiederaufbau der Feuerwehr haben die Drachselsrieder aber dann tatkräftig vorangetrieben. Kommandant Josef Geiger hat sich dabei große Verdienste erworben, wie der von 1951 an amtierende Kommandant Hans Muhr am 30. Oktober 1966 in seiner Laudatio feststellen wird, als er seinem Vorgänger das Ehrenkreuz der Feuerwehr überreicht. Josef Geiger wird das Lob aber mit dem Schmiedemeister Josef Probst teilen, der ihm in der schweren Zeit nach dem Krieg wesentlich mitgeholfen habe. Gemeinsam hätten sie das Geld für die neue Fahne beschafft, die 1950 geweiht werden konnte.
Schon 1949 hatte man eine neue Motorspritze kaufen müssen. Da wird wohl die alte Oberrieder Spritze nicht mehr tauglich gewesen sein. Zudem plante man von 1948 an den Bau des Feuerwehrhauses bei der Schmiede, das dann 1954 eingeweiht werden konnte. Bürgermeister Alois Danzer hatte beim ersten nach dem Krieg erwähnten Jahrtag am 9. November 1948 über den Neubau des Feuerwehrhauses gesprochen und in Vertretung der Gemeinde für jeden Mann ein Bier gestiftet. Kurze Zeit nach der Fahnenweihe im Jahre 1950 hat der Kommandant Josef Geiger sein Amt in die noch jungen Hände von Hans Muhr übergeben, der es dann 25 Jahre lang bis Ende 1976 ausüben sollte – die Ära Muhr hatte begonnen.
25 Jahre unter Hans Muhr
Über die ersten Jahre der Amtszeit von Hans Muhr gibt es keine Einträge in Protokollbuch. Dass die finanzielle Lage der Wehr aber alles andere als rosig gewesen sein muss, kann man einer kleine Geschichte entnehmen, die Rektor Josef Götz zu Beginn seiner Tätigkeit als Schriftführer und Kassier widerfahren ist. An einem Schulvormittag sei der Muhr Hans ziemlich verzweifelt in Begleitung eines gestrengen Herrn vor seiner Klassenzimmertür gestanden. „Das ist der Gerichtsvollzieher. Der will uns pfänden, weil wir die und die Rechnung nicht mehr bezahlen können.“ Josef Götz konnte das Verhängnis mit Müh und Not abwenden, weil er den Betrag aus seiner Privatkasse vorstrecken konnte, obwohl die Lehrergehälter damals sehr spärlich waren. Rektor Götz, der seine Ämter bei der Feuerwehr am 14. Februar 1956 übernommen hatte – den Schriftführerposten behielt er bis zum 15. Dezember 1983, Kassier blieb er noch bis 1989 und wurde als Ehrenmitglied aus seinem Amt verabschiedet – hat dann jedes Jahr genau Bericht geführt über alle Einsätze, Übungen, Veranstaltungen, Anschaffungen und Vorkommnisse und wurde dadurch zum Chronisten der besseren Zeit bei der Drachselsrieder Wehr.
Parallel zur allgemeinen Entwicklung ging es auch bei der Feuerwehr rasant nach oben. Während man am 28. Februar 1959 bereits über 349,30 DM verfügte, obwohl man ständig Kleidung und Ausrüstung erneuert und ergänzt hatte, stieg der Kassenstand bis zum 17. März 1962 erstmals auf mehr als 1500 DM an. Dabei hatte man aber 1960 wiederum eine neue Motorspritze anschaffen müssen, die mit Zubehör auf ca. 5000 DM gekommen war. Das Gerät aus dem Jahr 1949 war „seit dem stundenlangen Einsatz in Frathau nicht mehr jederzeit einsatzbereit.“
Im Beschaffen von Geldmitteln hatte man schon seit Bestehen der Wehr erfindungsreich sein müssen, das ist bis heute so geblieben. Die finanzielle Belastung der Mitglieder sollte dabei jedoch immer gering gehalten werden. Noch 1959 zahlte jeder Aktive 1 DM Jahresbeitrag, während ein Passiver 2 DM, später 3 DM bezahlen musste. So hat man bald nach dem Ende des II. Weltkrieges den traditionellen Faschingsball wieder abgehalten. „Am 1. März 1949 war es zwar wegen des Wetters sehr schlecht. Es wurden bei dieser Gelegenheit Lose verkauft, wo gute Erfolge erzielt wurden.“
Vom 31. Dezember 1958 an wird regelmäßig der Silversterball unter den Veranstaltungen erwähnt und vom 1. September 1959 weg kommt der Kirchweihball hinzu. Diese Bälle waren viele Jahre durchaus eine beachtliche Einnahmequelle, sind aber seit geraumer Zeit wegen der Unkostenexplosion uninteressant geworden.
Die größeren Fische zog man aber in der Ära Hans Muhr schon durch die Faschingshochzeiten (1962, 1964, 1966, 1968, 1971, 1976) und die jährlichen Christbaumversteigerungen am Dreikönigstag an Land. Bei diesen Versteigerungen arbeitete man jahrelang teils kameradschaftlich, teils widerwillig mit den Drachselsrieder Veteranen zusammen, teilte den Erlös meistens brüderlich, schloss die Veteranen dann auch wieder einmal aus und lobte ihren Vorstand Josef Geiger für „sein einsichtiges Verhalten“, wenn er der Feuerwehr bei größeren Anschaffungen den Löwenanteil der Einkünfte überließ.
Bei größeren Investitionen ging es jedoch nie ohne die finanzielle Mithilfe der Gemeinde ab, deren Belastung aber durch die von der Feuerwehr eingebrachten Anteile jeweils wesentlich gemindert wurden. Die Feuerwehrmänner scheuten sich dabei nicht, die Waldbesitzer „anzubetteln“, wie geschehen beim Kauf der Motorspritze 1960 oder beim Bau des jetzigen Feuerwehrhauses. Selten wurden sie so abschlägig beschieden, wie in einem Fall, als der Grundbesitzer sagte: Ich gebe nichts her, weil ich brandversichert bin.“
Auch für die Christbaumversteigerungen wandte man sich jeweils an die Bevölkerung um Spenden. Zusätzlich zu diesen Einnahmequellen experimentierte man auch mit der Durchführung von Preisschafkopfen.
Die wohl wichtigste Geldquelle wurde aber mit der Drachselsrieder Kirwa erschlossen. Zusammen mit dem Krieger- und Reservistenverein führt man das inzwischen viertätige Fest seit mehr als zwei Jahrzehnten durch. Nach zähem Beginn – 1975 brachte das Fest ganze 703 DM ein, während man beim Kirchweihball im Faltersaal immerhin 909 DM erwirtschaftete – wurde das Fest in den nächsten Jahren zum finanziellen Renner und darf heute wohl als die wesentliche Stütze der Feuerwehrkasse bezeichnet werden.
Natürlich gab es auch die nicht auf Gewinn ausgerichteten Veranstaltungen. Neben den Jahreshauptversammlungen, die beim Schlossbräu, beim Falterbräu und später of im Cafe Kolmer in Rehberg abgewickelt wurden, traf man sich an den Jahrtagen zur Kameradschaftspflege – 1960 sogar in Grafenried – schaltete aber auch gelegentlich eigene Kameradschaftsabende ein, um z.B. die immer zahlreicher werdenden Erwerber der Leistungsabzeichen zu ehren.
Von 1965 an weiß man auch so manche Rehpartie, meist in Verbindung mit einer wichtigen Veranstaltung zu schätzen. Dabei tauchten die Jagdpächter Otto Kollmer und Michael Köster regelmäßig als Spender der Rehe auf. Am Jahrtag der Asbacher Kameraden nimmt man ebenfalls regelmäßig teil.
Natürlich werden auch die Gründungsfeste und Fahnenweihen umliegender Vereine und der Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus besucht. 1957 muss man zu so einem Fest nur bis Niederndorf fahren, aber schon 1959 bei der Teilnahme an der Fahnenweihe in Ruhmannsfelden muss der Kommandant Hans Muhr 40 DM Strafe zahlen, weil das Fahrzeug, das man zum Transport benutzt hat, „für die Personenbeförderung nicht zugelassen war“.
Da mag es ein kleiner Trost gewesen sein, dass beim Jahrtag am 25. Okober 1959 die zur Gründung der Feuerwehr 1875 gestiftete Schnupftabakdose mit dem Stiftungstext wieder zum Vorschein gekommen ist.
Es sind aber nicht hauptsächlich die kleineren und größeren Festlichkeiten aus der Wirkungszeit von Hans Muhr, das für das Allgemeinwohl wesentlich Wichtigere ist das Entstehen einer modernen Feuerwehr, einer weiteren Stützpunktfeuerwehr im Zellertal unter seiner Regie.
Viel Volk hatte am 11. Juni 1969 begeistert applaudiert, als die neue Motorspritze bei der Probe das Wasser gleichzeitig aus drei Schläuchen in den Himmel schleuderte. Das war aber erst der Beginn der Modernisierung. Der Landrat des Kreises Viechtach, Rudolf Kauer, verlangte beim Kreisappell am 21. Oktober 1962 in Drachselsried, dass die Landkreisfeuerwehren Pferdegespanne und Bulldogs zur Spritzenbeförderung nach und nach durch neue Kleinlöschfahrzeuge ersetzen sollten. Hans Muhr ging bei der folgenden Jahreshauptversammlung einen Schritt weiter. Er forderte ein Tanklöschfahrzeug wie es bis dahin nur Ruhmannsfelden, Viechtach und Arnbruck besaßen. Am 26. Oktober 1965 konnte es aus Ulm abgeholt werden. Beim Jahrtag am 21. November 1965 wurde es dann geweiht. Die Drachselsrieder Wehr verfügte nun über schweres Löschgerät und hatte auf Jahre hin wieder eine leere Kasse. Dem Einsatzwillen und der Ausbildungstätigkeit tat dies keinen Abbruch. Das beweisen die vielen erfolgreichen Leistungsprüfungen der verschiedenen Klassen in den folgenden Jahren.
Am 18. Dezember 1971 wurde Hans Muhr zum fünften Mal für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Bei dieser Generalversammlung trat Eduard Falter sen. aus Altersgründen nach 45 Jahren Feuerwehrzugehörigkeit – die letzen 25 Jahre als Vorstand – von seinem Amt zurück und wurde zum Ehrenvorstand ernannt. Gleichzeitig wurde sein Sohn Eduard Falter jun. zu seinem Nachfolger berufen. Er fungierte bis zum Jahre 2001 als Vorstand der Drachselsrieder Wehr.
Für Hans Muhr und seine Kameraden rückte nun die Ausrichtung des 100-jährigen Gründungsfestes mit Fahnenweihe ins Zentrum des Tätigseins. Vom 23. bis 26. Mai 1974 wurde es als das rauschendste Fest begangen, das Drachselsried je sehen hatte. 66 Vereine nahmen teil. Noch im selben Jahr wurden Atemschutzgeräte angeschafft, „die für die örtliche Stützpunktfeuerwehr zwingend erforderlich gewesen seien“.
Als Hans Muhr bei der Jahreshauptversammlung am 18. Dezember 1976 abdankte und dem bisherigen Stellvertreter Max Zelzer das Kommando überließ, konnte er in einem Rückblick anmerken, bei seiner Amtsübernahme „seien kaum Uniformen, fast keine Geräte vorhanden gewesen und man habe es vom Pferdefuhrwerk bis zum Tanklöschfahrzeug gebracht. Durch vielerlei Veranstaltungen habe man sich stets bemüht, Geld zusammenzubringen und die Gemeinde zu entlasten“.
Die Ära Max Zelzer
Am 28. Dezember wurde Max Zelzer zum Kommandanten gewählt, nachdem er bereits 5 Jahre als Stellvertreter gewirkt hatte. Kaum hatte er die Verhandlungsleitung übernommen, kündigte er schon für 1977 die größte Maßnahme an, die die Wehr jemals durchgeführt hat – den Bau des heutigen Feuerwehrhauses.
„Wenigstens den Rohbau müsse man erstellen, wobei die Feuerwehr den Bau selbst durchführe und von der Gemeinde lediglich die Materialien geliefert werden müssten“.
Baubeginn war am 13. Oktober 1977. Am 5. November 1978 konnte man in das Haus einziehen, nachdem 3345 Arbeitsstunden geleistet waren.
Der 16. September 1979 war der Tag der feierlichen Einweihung. Max Zelzer hatte seine große Aufgabe durchgezogen, nebenher noch für die Funkausstattung des Löschfahrzeuges gesorgt und besonders die Atemschutzausbildung vorangetrieben.
Der Zelzer Max ist nicht der Mann, der gerne Lobeshymnen über sich ergehen lässt. Mit der Sachlichkeit, mit der er seine Wehr bis 2001 führte, sollen nachfolgend nur die wichtigsten Ereignisse und Neuerungen aus Kommandantentätigkeit aufgeführt werden.
Die Zeit der Brandstiftungen und Großbrände in Trautmannsmühle, Blachendorf, Rehberg, Drachselsried, Sindorf und Arnbruck forderten seit 1979 den Männern um Max Zelzer Höchstleistungen ab. Schneekatastrophen, ein Erdrutsch, Autobrände, Öl- und Wasserschadensbekämpfungen kamen hinzu. Häufig war die Trinkwasserversorgung der Gemeinde zu stützen.
Trotzdem wurden auch wieder gewinnbringende Faschingshochzeiten (1980, 1985, 1990, 1995) abgehalten und die jährliche Versteigerung durchgeführt, sowie das Kirchweihfest weiter ausgebaut. Der gute Kassenstand erlaubte am 20. März 1981 den Kauf eines Ford Transit als weiteres Nutzfahrzeug der Feuerwehr Drachselsried.
Be der Fahnenweihe der Feuerwehr Oberried (16.-18.7.1982) war man als Patenverein mit 72 Mann vertreten. Als Patenverein fungierte man ebenfalls bei der Feuerwehr Asbach zur Fahnenweihe vom 22. bis 24. Juli 1983.
Am 14. August 1983 begann man mit der Ausbildung einer Jugendgruppe. In der Jahreshauptversammlung am 26. November 1983 bekam man hohes Lob von Landrat Helmut Feuchtinger und von Kreisbrandrat Helmut Kilian für Ausbildungsstand, Nachwuchsarbeit, Funkausstattung, Atemschutzausbildung und Kompetenz bei technischen Einsätzen.
Die Bemühungen galten nun der Anschaffung eines neuen hochmodernen Tanklöschfahrzeuges. 1986 konnte das „TLF 16/25“, das 280.000 DM kostete, bereits abgeholt werden. Als 1987 das neue Mehrzweckfahrzeug für 55.000 DM dazugekommen war, konnte man feststellen, dass die Wehr nun wieder bestens ausgerüstet war. Dieses Mehrzweckfahrzeug musste aber schon 1988 durch ein neues ersetzt werden, weil es unverschuldet bei einem Verkehrsunfall demoliert worden war.
Die auf kompetenten Schultern verteilte Ausbildungstätigkeit wurde weiter intensiviert. „An Schulungen, Lehrgängen und Kursen nahmen eine große Anzahl von Wehrmännern teil“, heißt es z.B. im Bericht über die Jahrshauptversammlung 1988. Die Zahl der Einsätze, besonders bei Verkehrsunfällen, nahm leider von Jahr zu Jahr zu. Bei großangelegten Übungen während der Brandschutzwochen in den neunziger Jahren zeigte man sich „topfit“. Auch der Nachwuchs mischte bei den Wettkämpfen der Feuerwehrjungend gut mit. Zudem gibt es seit 22. November 1997 eine Damenfeuerwehrgruppe, die ebenfalls eifrig übt und sich auf Leistungsprüfungen vorbereitet.
1990 hatte sich Max Zelzer erneut Lob durch Kreisbrandrat Kilian in seiner überörtlichen Funktion verdient. Kilian bezeichnete ihn „als einen seiner besten Kreisbrandmeister“. Seine Drachselsrieder Wehr weiß, was sie an ihm hat und bat ihn 1998 erneut um die Fortführung seiner Kommandantentätigkeit über das 125-jährige Gründungsfest hinaus.
Im Jahre 2001 endete dann die Ära Max Zelzer und sein Nachfolger wurde Alfons Vogl, der bis heute die Geschicke der Wehr leitet.